Praktische Tipps bei
Sehnenrissen an der
Schulter
Sehnenrisse an der Schulter? Noch im Jahre 1970 war selbst vielen Fachleuten kaum
bekannt,
wie häufig bestimmte Sehnen im Innern der Schulter reißen. Inzwischen betreffen in den USA
bereits zehn Prozent aller orthopädischen Operationen das Schlegeln, wobei die Behandlung
von Sehnenrissen zahlenmäßig meist im Vordergrund steht.
Wir erläutern zuerst, welche Sehne besonders häufig betroffen ist und welche typischen
Symptome auftreten können. Danach beschreiben wir die Diagnostik und Therapie sowie
nützliche Hinweise für den Alltag.
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1.
Sehnenrisse sehr häufig
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Bei 12% aller über 60 Jährige findet sich heute ein vollschichtiger
Riss an mindestens
einer der inneren Sehnen der Schulter, ein teilschichtiger Riss sogar bei 35%! Betroffen
ist meist die Sehne des Supraspinatus: Vom oberen Teil des Schulterblatts kommend,
zieht er zum Schultergelenk, umläuft den Gelenkkopf und setzt mit seiner flachen Sehne an
einem Knochenvorsprung des Oberarms an. Er ist von großer Bedeutung für das Heben des
Arms. Auch trägt er dazu bei, dass der Gelenkkopf optimal in der Gelenkpfanne geführt
wird.
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2.
"Schmerzhafter Bogen" und nächtliche Schmerzen
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In vielen Fällen verursachen Schulter- Sehnenrisse zunächst keine
Beschwerden. Wenn
jedoch Schmerzen vorhanden sind, treten sie meist nicht bei hängendem Arm auf, sondern
erst ab einem seitlichen Hebewinkel von etwa 60° ("Schmerzhafter Bogen"). Auch
können nachts starke Schmerzen im Oberarm oder Nacken auftreten, die sich erst beim
Umhergehen in der Wohnung und durch leichte Pendelbewegungen bessern. Manchmal
kann man erst in einem Sessel etwas Linderung und Schlaf finden. - Auch eine
zunehmende Einsteifung des Gelenks kann ein wichtiges Symptom sein.
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3. Schädigung
durch vorzeitige Alterung und hohe
Belastung
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Wenn Sehnen nicht gerade verlaufen, sondern umgelenkt werden, reduziert dies
ihre
biomechanische Belastbarkeit. Auch die Blutversorgung kann zusätzlich vermindert werden,
wodurch die Belastbarkeit noch weiter abnimmt. Beide Besonderheiten treffen bei der
Supraspinatus-sehne zu und erklären, warum sie ab dem 40. Lebensjahr oft vorzeitig
altert, schwächer wird und ausfasert. Darüber hinaus wird sie bei manchen Tätigkeiten,
so
besonders bei Überkopfarbeiten und bestimmten Sportarten, wie Tennis, Golf,
Volleyball, Schwimmen und Speerwerfen hoch belastet.
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4.
Auch durch Unfälle?
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Schulter- Sehnenrisse allein durch Unfälle sind selten (2%) und ereignen sich meist vor
dem 40. Lebensjahr z.B. durch bestimmte Stürze bei Glatteis, Ski oder ähnlichem.
Nach
dem 40. Lebensjahr (98%) kommt einer nicht bemerkten Vorschädigung oft eine
zentrale Bedeutung zu. Schon geringfügige Überlastungen können dann als Auslöser
wirken. Fensterflügel, die vom Wind aufgestoßen werden und gegen den
entgegengestreckten Arm schlagen, oder das abrupte Abbremsen des Busses können oft
bereits ausreichen, um die schon geschwächte Sehne endgültig abzureißen.
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5.
Diagnose
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Der erfahrene Arzt kennt mehrere verlässliche Tests, mit denen er in über
90% der Fälle
die Diagnose eines Sehnenrisses bereits ohne weitere Hilfe stellen kann. Darüber hinaus
wird von vielen Ärzten eine Ultraschall- Untersuchung eingesetzt. Viele Ärzte empfehlen
auch MRT - Aufnahmen, unter anderem um den Zustand des zugehörigen Muskels zu
beurteilen. Dieser Untersuchungsbefund ist für viele Operateure mitentscheidend bei der
Wahl der Therapie.
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6.
Auch an die Spätfolgen denken
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Eine konservative, nicht-operative Therapie kann zwar die Beschwerden lindern, nicht
aber
den Riss einer Schultersehne heilen. Ein über längere Zeit bestehender Sehnenriss hat bei
aktiven Menschen vielmehr die Tendenz, sich auszudehnen und auch auf die übrigen
Sehnen der sog. "Rotatoren- Manschette" sowie die lange Sehne des Bizeps-
Muskels überzugreifen. Je weiter sich die Sehnenrisse ausbreiten, um so größer ist
dann
die Gefahr, dass sich die gefürchtete "Cuff- Tear- Arthropathie" entwickelt, die
sehr
schmerzhaft und zudem schwierig zu behandeln ist.
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7.
Konservative Behandlung
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Wann empfiehlt sich dennoch eine konservative Therapie? Sie dient meist als erste,
auf die
OP vorbereitende Maßnahme oder als alleinige Therapie, wenn eine Operation nicht
sinnvoll ist. Die konservative Therapie soll Schmerzen und Entzündungen lindern und eine
Einsteifung wieder beseitigen. Die wichtigsten Methoden dieser Behandlung sind:
Medikamente, Injektionen und besonders Krankengymnastik sowie ggf.
Ultraschall/Elektrotherapie/Eis/Wärme. Auch eine Anpassung der beruflichen und
persönlichen Tätigkeiten kann sehr unterstützend wirken.
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8.
Operative Naht der Sehne
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Die operative Naht wird von vielen Experten empfohlen, wenn die folgenden
Voraussetzungen erfüllt sind: Das Gelenk sollte nicht akut entzündet und auch nicht
eingesteift sein; im Röntgenbild muss der Gelenkkopf einen Mindestabstand von 7 mm vom
Schulterdach haben; die Muskulatur muss vital sein und zudem sollte der Patient hoch
motiviert und noch recht aktiv sein. Denn die Reha-Zeit nach der Operation dauert oft
mindestens drei Monate und gelingt nur mit bester Mithilfe des Patienten.
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9.
Kann man vorbeugen?
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Eine besonders herausragende Eigenschaft des Schultergelenks ist seine große
Beweglichkeit. Diese stellt aber auch hohe Anforderungen an Gelenkkapsel, Sehnen und
Muskeln. Übertriebenes Krafttraining kann manche dieser Strukturen überfordern und
schon bei jüngeren Menschen zu bleibenden Schäden führen. Wer seinen Kraftsport
liebt, sollte diese Tatsache nie aus den Augen verlieren! Allerdings kann eine maßvolle
Betätigung und Belastung der Schulter deren Stärke erhalten und sogar gegen
Verletzungen schützen.
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10.
Ab dem 40. Lebensjahr an die Schulter denken
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Wer das 40. Lebensjahr überschritten hat, befindet sich nach heutigen Maßstäben auf
dem
Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Man sollte jedoch stets bedenken, dass die inneren
Schulter- sehnen von diesem Zeitpunkt an zunehmend an Stärke verlieren und in den
kommenden Jahren immer leichter schon durch geringfügige Belastungen überfordert
werden. Es ist daher sehr zu empfehlen, sich diese Tatsache bewusst zu machen und bei
Arbeit, Freizeit und Sport auf hohe Belastungen der Schultern zu verzichten.
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11.
Bewusst Hilfsmittel einsetzen
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Viele Überkopfarbeiten, die die Schultersehnen besonders beanspruchen, lassen sich
vermeiden, wenn man bewusst Hilfsmittel einsetzt. So empfiehlt es sich bei Maurer-
Arbeiten schon bei relativ niedrigen Höhen das Gerüst aufzustellen. Im Haushalt kann das
Aufhängen von Vorhängen durch die Zuhilfenahme einer sicheren Haushaltsleiter erleichtert
werden. Eine einfache Regel besagt: "Ellenbogen nahe am Körper halten und die
Hände nur bis Augenhöhe heben".
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12.
Besser mit beiden Händen
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Schließlich sollte man schwere Gegenstände auch nicht einseitig oder mit lang gestrecktem
Arm heben: Schwere Bettwäsche ist besser in den mittleren Schrankfächern zu lagern und
wird außerdem am besten mit beiden Händen gehoben. Wenn beide Arme heben und
tragen, verteilt sich die Belastung auf beide Schultern und belastet sie somit nur halb
so stark. Auch die Zuhilfenahme von vorhandenen Hilfsgriffen kann die Belastung
vermindern. Alle diese Hinweise können dazu beitragen, die Sehnen zu schützen und somit
die Schultern auch weiterhin gesund zu erhalten.
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